Zur UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes

Ein Diskussionsbeitrag einiger Kieler Studierender

Kaum eine Frage ist, wie aktuelle Ereignisse zeigen, so zentral und komplex wie die nach der kulturellen Identität Deutschlands. Die Aufstellung der Liste des immateriellen Kulturerbes Deutschlands, die die Identität unseres Landes nach innen wie außen kommunizieren soll, ist daher ein umso aktuelleres Thema der Kulturpolitik. Aufgrund seiner internationalen Reichweite ist es von nicht zu unterschätzender Bedeutung. An Aktualität gewinnt dieses kulturpolitische Unternehmen zusätzlich durch seine Kontinuität. Die nächste Bewerbungsphase beginnt im Frühjahr dieses Jahres. Für eine produktive Debatte ist es also nicht zu spät.

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Kulturpolitik als Gesellschaftspolitik?

Erste Folge: Prof. Dr. Christoph Butterwegge über kulturelle und soziale Teilhabe

Herr Butterwegge, was heißt Gesellschaftspolitik heute?

Die sozial tief gespaltene und immer weiter auseinanderdriftende Gesellschaft des modernen Finanzmarktkapitalismus so zu gestalten, dass ihr eine friedliche, humane und demokratische Zukunft bevorsteht.

Frank Schirrmacher (FAZ) hat die derzeitige Krise des modernen Kapitalismus als „Resozialisierungsprogramm linker Gesellschaftskritik“ bezeichnet. Zu Recht?

Sofern hiermit gemeint ist, dass linke Gesellschaftskritik wieder salonfähig wird, hoffe ich sehr darauf. Denn natürlich sieht man sich als Kritiker des Kapitalismus durch die globale Finanz-, Weltwirtschafts- und europäische Währungskrisen bestätigt.

Sind ausreichende Möglichkeiten zur sozialen und kulturellen Teilhabe Voraussetzungen für eine funktionierende Zivilgesellschaft?

Ich spreche lieber von einer demokratischen Bürgergesellschaft, um damit auszudrücken, dass alle Wohnbürgerinnen und Wohnbürger gleichberechtigt Einfluss auf die Entwicklung unseres Landes nehmen können sollten. Hierzu gehört natürlich auch, dass sie am sozialen Leben und an kulturellen bzw. Bildungsprozessen partizipieren, wozu ihre Ausstattung mit den entsprechenden materiellen Ressourcen erforderlich ist, weil Ökonomisierung und Kommerzialisierung aller Lebensbereiche den Bildungssektor und die Kultureinrichtungen nicht ausgespart haben.

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