Zur UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes

Ein Diskussionsbeitrag einiger Kieler Studierender

Kaum eine Frage ist, wie aktuelle Ereignisse zeigen, so zentral und komplex wie die nach der kulturellen Identität Deutschlands. Die Aufstellung der Liste des immateriellen Kulturerbes Deutschlands, die die Identität unseres Landes nach innen wie außen kommunizieren soll, ist daher ein umso aktuelleres Thema der Kulturpolitik. Aufgrund seiner internationalen Reichweite ist es von nicht zu unterschätzender Bedeutung. An Aktualität gewinnt dieses kulturpolitische Unternehmen zusätzlich durch seine Kontinuität. Die nächste Bewerbungsphase beginnt im Frühjahr dieses Jahres. Für eine produktive Debatte ist es also nicht zu spät.

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Es werde Licht!

Bürgerliche Öffentlichkeit, Bücher, Akten und das Internet

Von Wolfgang Hippe

 »Jesus sprach es werde Licht doch Petrus fand den Schalter nicht dann endlich hat er ihn gefunden doch war elektrisch Licht noch nicht erfunden« (Kinderreim)

 Am 11. April 2011 jährte sich zum 50. Mal der Beginn des Eichmann-Prozesses in Jerusalem. Er gilt als eines der herausragenden Ereignisse bei der Aufarbeitung der NS-Verbrechen und regte Hannah Arendt zu ihren Betrachtungen über die »Banalität des Bösen« an und wird wie die vier Jahre später beginnenden Frank­furter Auschwitz-Prozesse als ein fundamentaler Einschnitt in der sogenannten deutschen Vergangenheitsbewältigung angesehen. Im Rückblick hat der Histo­riker Peter Steinbach einmal von der mit dem Prozess verbundenen öffentlichen Diskussion in Deutschland als einer »Lektion in Zeitgeschichte« gesprochen.

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Schaum und Wirklichkeit

Gegen die selbstverschuldete Marginalisierung der Kulturanalyse. Eine Warnung

Von Michael Wimmer

In seinem Beitrag »Strukturwandel der Öffentlichkeit 2.0 – Kunst und Publikum im digitalen Zeitalter« (in: Kulturpolitische Mitteilungen, Heft 134 III/2011, S. 36–43) erzählt uns der Kultursoziologe Gerhard Schulze eine Geschichte von der schleichenden Marginalisierung des Kulturbetriebs. Sein Referenzmedium, die Kunst, lange Zeit erste Quelle bürgerlichen Selbstbewusstseins, habe als »höchstes Gut« ausgedient und so seinen Anspruch auf die »kulturelle Mitte« aufgegeben. Stattdessen existiere sein Angebot »neben allem und jedem ohne Bezug zueinander in einem gestaltlosen Haufen«, dem die Kunst ebenso angehöre wie ein x-beliebiger Sportverein.

Zur Untermauerung seiner These zur neuen kulturellen Beliebigkeit bemüht Schulze Peter Sloderdijks Metapher einer Öffentlichkeit als Schaumgebirge, bestehend aus zahllosen kleinen Bläschen ohne kulturelles Zentrum, in dem wahllos ein paar versprengte Kunstbläschen darauf warten, zu zerplatzen.

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