Von der Willkommens- zur Anerkennungskultur

Vor dem Hintergrund des aktuellen KuMi-Schwerpunktes (Nr. 150) »Von der Willkommens- zur Anerkennungskultur« erreichte uns folgender Artikel unseres Mitgliedes Hans Joachim Nölle zum Thema.

Flüchtlinge – Theater – Kultur

Gibt man Flüchtlinge und Kultur in Google ein, stößt man sehr oft auf die Kombination mit Theater. Theaterarbeit mit Flüchtlingen, die ihre Fluchtgeschichte auf die Bühne bringen. So schreibt der Tagesspiegel: »Überall machen sich derzeit Theater das politische Drama zu eigen.« (Quelle. Tagesspiegel 19.06.2015 – http://www.tagesspiegel.de/kultur/fluechtlinge-als-thema-im-theater-spiele-ohne-grenzen/11943696.html) und zählt in dem Artikel verschiedene Bühnen auf, die über die Flüchtlingsproblematik arbeiten und der Deutschlandfunk berichtet über das Berliner Theatertreffen:

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Zur UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes

Ein Diskussionsbeitrag einiger Kieler Studierender

Kaum eine Frage ist, wie aktuelle Ereignisse zeigen, so zentral und komplex wie die nach der kulturellen Identität Deutschlands. Die Aufstellung der Liste des immateriellen Kulturerbes Deutschlands, die die Identität unseres Landes nach innen wie außen kommunizieren soll, ist daher ein umso aktuelleres Thema der Kulturpolitik. Aufgrund seiner internationalen Reichweite ist es von nicht zu unterschätzender Bedeutung. An Aktualität gewinnt dieses kulturpolitische Unternehmen zusätzlich durch seine Kontinuität. Die nächste Bewerbungsphase beginnt im Frühjahr dieses Jahres. Für eine produktive Debatte ist es also nicht zu spät.

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TTIP und Kultur – Ein Missverständnis?!

Manuela Lück

Seit einigen Monaten beherrscht das Transatlantic Trade Investor Partnership, kurz TTIP, die öffentliche Debatte. Einerseits erfreulich, dass auch Handelsthemen ihren Weg in die kulturpolitische Diskussion finden, andererseits erstaunt das beschriebene Bedrohungsszenario für die deutsche Kulturlandschaft. Der folgende Beitrag versucht ein wenig mehr Sachlichkeit in die teils aufgeheizte Debatte zu bringen, skizziert den aktuellen Verhandlungsstand und mögliche Auswirkungen auf den Kulturbereich.

Worum geht es?
TTIP ist ein Handels- und Investitionsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA, das Marktzugänge, Einfuhrzölle und Handel mit bestimmten Gütern, Dienstleistungen sowie den Zugang zu öffentlichen Aufträgen erleichtern soll. Seit den 60er Jahren hat Deutschland mehr als 100 derartige Handelsabkommen abgeschlossen. Mit dem Vertrag von Lissabon (2009) ist die europäische Handelspolitik in die ausschließliche Zuständigkeit der EU übertragen worden, d.h. nur mit der Zustimmung Weiterlesen

Gefährdet das geplante transatlantische Freihandelsabkommen die kulturelle Vielfalt in Europa?

Marc Grandmontagne

 Es klingt abstrakt, aber es kann sehr schnell sehr konkret werden: Das transatlantische Freihandelsabkommen soll bereits in 2 Jahren in Kraft treten, letzte Woche startete die zweite Verhandlungsrunde in Brüssel (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ttip-was-das-freihandelsabkommen-fuer-verbraucher-und-unternehmen-bedeutet-1.1815843). Wenn es so kommt, wird der Handel zwischen den USA und Europa von vielen nicht tarifären Hemmnissen befreit werden, die genauen Folgen sind aber unklar. Sicher ist nur, dass Vieles auch erfasst würde, was keinen monozentrischen wirtschaftlichen Blick duldet, sondern eher unter der Überschrift kulturelle Vielfalt einzusortieren wäre. Kulturelle Errungenschaften wie die Buchpreisbindung, der öffentliche-rechtliche Rundfunk, aber auch Bereiche des Umwelt- und Naturschutzes, der Klimapolitik, der Daten- und Lebensmittelsicherheit wären betroffen – kurzum: Wesentliche Bereiche unseres Lebens!

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Wider den Kulturinfarkt

Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel, Stephan Opitz

»Kulturpolitik bedarf nicht besonderer Schonung, sondern einer kritischen Diskussion. Darf man eine Politik kritisieren, die das Schöne pflegen und die Identität der Menschen fördern will? Kritik ist nicht Gegnerschaft …«
(Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft.
Frankfurt / New York 1992)

Im März 2012 erschien »Der Kulturinfarkt«. Seit dem Erscheinen der Streitschrift läuft eine Debatte zu Kultur und Kulturpolitik, deren Amplitude die Kulturpolitik in der Bundesrepublik Deutschland bislang nicht gesehen hat. Das ist auf der einen Seite verwunderlich angesichts des immer wieder behaupteten hohen politischen Stellenwerts, welcher der aus Steuermitteln geförderten Kultur zugesprochen wird. Andererseits ist es möglicherweise genau dieser nicht übermäßig reflektierte politische Stellenwert von Kultur, der einen lebhaften und vertieften Diskurs jenseits der kulturellen Lobby bislang verhinderte.
Die Behauptung, dass Deutschland ein Kulturstaat sei, geht allen leicht über die Lippen. Dass dies im Grundgesetz festzuschreiben wäre, wurde zwar von der Enquete-Kommission »Kultur in Deutschland« beschlossen, die dafür notwendige Mehrheit im Bundestag kam bisher nicht zusammen. Die Lobby der etablierten Kultur, der Deutsche Kulturrat vorneweg, bemüht sich nach wie vor um die verfassungsrechtliche Kodifizierung des »Kulturstaats«, doch die Diskussion stockt. Großes Interesse an dem Thema gibt es außerhalb der einschlägigen Verbände nicht. Liegt dies am mangelnden Enthusiasmus der Gesellschaft? Oder einfach daran, dass »Kulturstaat« schon fast ein »weißer Schimmel« ist? Gibt es denn etwas, was grundsätzlich noch mehr Kultur voraussetzt als der Begriff »Staat»?

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Das Öffentliche darf in der Demokratie nicht egal sein!

Ein Gespräch mit Oliver Scheytt und Norbert Sievers über den »Kulturinfarkt« und Kulturpolitik

Herr Scheytt, Herr Sievers, die Kulturpolitische Gesellschaft steht in der Reformtradition der Neuen Kulturpolitik. Mit der Publikation »Der Kulturinfarkt« haben deren Autoren, einer davon ist Mitglied in ihrem Vorstand, radikale Reformvorschläge gemacht. Waren Sie froh darüber?

Oliver Scheytt: Ich hatte erwartet, dass das Buch radikale Vorschläge enthalten würde, da es ja in Diskussionsforen und Publikationen der Kulturpolitischen Gesellschaft von den Autoren schon entsprechende Äußerungen gab. Angefangen bei der Debatte 2009 im Bonner Haus der Geschichte zum Thema »Kultur trotz(t) Krise«, als Pius Knüsel forderte, dass wir die kulturelle Infrastruktur in Deutschland »aufräumen« sollten, über das Jahrbuch für Kulturpolitik 2010 bis hin zur Tagung in Loccum 2011, wo der Chef der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia schon die Halbierung der Kulturinfrastruktur vorgetragen hat. Ich war also »vorgewarnt« und habe mich auf das Buch gefreut in Erwartung fundierter Analysen und Vorschläge. Doch schon der Spiegel-Artikel und erst recht das Buch haben mich ziemlich aufgeregt, weil ich mit vielen Analysen und Thesen über weite Strecken nicht übereinstimme. Vor allem halte ich das »Gedankenexperiment« für verfehlt, die Hälfte der Kultureinrichtungen zu schließen, zumal die so eingesparten Mittel in meiner Meinung nach absurde Projekte wie »Jedem Kind ein Tablet-PC« fließen oder per Losverfahren oder Bürgerentscheide vergeben werden sollen, was ich für ebenso wenig sinnvoll halte.

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Die Adorno-Falle

Von Hajo Cornel

Neben den zwei, zukunftsorientierte kulturpolitische Diskussion blockierenden »Mythen«, Kulturstaat und Kulturhoheit, diagnostiziert der »Kulturinfarkt« eine dritte Blockade offenen Denkens und Handelns in der Kulturpolitik: »die Adorno-Falle«. Auf diesen einen Aspekt, dem ein eigenes kleines Kapitel in dem Buche gewidmet ist, wollen wir uns hier beschränken.

Generationen von Kulturpolitikern seien in die »Adorno-Falle« getappt, wird behauptet, aber – wie so vieles in der vorliegenden Krankschreibung – nicht belegt. Empirische Belege zum quantitativen Einfluß der Kritischen Theorie auf die Kulturpolitik sind valide kaum ermittelbar; ideengeschichtliche Belege von gegebenenfalls exemplarischer Bedeutung fänden sich durchaus – nur war es den Autoren offenbar zu heikel, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Nahegelegen hätten insbesondere die Programmschriften Hilmar Hoffmanns, denn »Kultur für alle« wird uns ja als Epidemie verkauft. Sie gäben die Folie für nachprüfbare Praxis Frankfurter Kulturpolitik. Diese Untersuchung aber schenken sich die Doktoren: Die Kulturpolitik ist ihnen nur ein Kassenpatient.

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