Ein neues Grundsatzprogramm für die KuPoGe – ein Beitrag zur Debatte aus der Region Berlin-Brandenburg

Von Isa Kathrin Edelhoff

Das Grundsatzprogramm der Kulturpolitischen Gesellschaft soll grundsätzlich diskutiert und überarbeitet werden. Das ist angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen seit 1997 notwendig, ja überfällig. Aber wie soll es konkret aussehen, das neue Programm? Soll es vollkommen neu geschrieben werden? Oder nur »entschlackt«, überarbeitet, an einzelnen Stellen umgeschrieben und ergänzt? Auf die Gefahr hin, immer länger zu werden, an Kohärenz zu verlieren? Oder soll man es auf knapp formulierte Grundsätze, die auch für ein (multimediales) Marketing taugen, reduzieren? Wo würden sich dann jedoch die aktuellen kulturpolitischen Diskussionen widerspiegeln? Darüber haben Mitglieder der Regionalgruppe Berlin-Brandenburg im Haus der Kulturen im November 2011 kontrovers diskutiert.

Die Diskussion erstreckte sich von inhaltlichen Akzentuierungen, die neu vorgenommen werden sollten, bis hin zum Sprachduktus des alten Programms, der insgesamt als »altbacken« bezeichnet wurde. So sollten sowohl die Diskussion um die Kulturelle Bildung ebenso Eingang finden ins Programm der KuPoGe als auch neueste Entwicklungen wie beispielsweise Web 2.0 und
Kultur(-politik), (post-)migrantische Kultur etc. Bestimmte Begriffe werden für ersetzbar gehalten. So könne beispielsweise »Multikulturalität« durch »Transkulturalität« ersetzt und Begriffe wie »neue Kulturpolitik« oder »Volk« wenigstens diskutiert werden – ebenso der Begriff der »kulturellen Grundversorgung«. Eine Fehlstelle wurde identifiziert: Der dem Programm zugrunde liegende Kulturbegriff wurde an keiner Stelle definiert. Einigkeit bestand außerdem darüber, dass das Programm insgesamt zwar notwendig zu ergänzen, gleichzeitig jedoch zu straffen und zu »entrümpeln« sei.

Das erscheint wie eine Quadratur des Kreises und es drängt sich die Frage auf, wie konkret Aussagen zu gesellschafts- und kulturpolitischen Themen im Grundsatzprogramm der KuPoGe getroffen werden sollten und wie ausführlich diese ausfallen dürfen. Denn zum einen sind Aussagen zu aktuellen kulturpolitischen und gesellschaftlichen Entwicklungen schnell überholt, zum anderen wird das Programm auf diese Weise nicht kürzer. Auf der anderen Seite ist das, was scheinbar zum Nachteil gereicht, auch ein entscheidender Vorteil: Die grundsätzlichen Aussagen zur Kulturpolitik, die im Grundsatzprogramm dokumentiert werden, geben Auskunft sowohl über die Schwerpunkte der KuPoGe, und sie zeigen darüber hinaus deutlich die Haltung der KuPoGe bestimmten Themen gegenüber. Man könnte durchaus fragen, ob die Kulturpolitische Gesellschaft nicht häufiger Stellungnahmen zu aktuellen kulturpolitischen Fragen abgeben sollte, sich mehr in das Tagesgeschäft einmischen sollte. Allerdings wird das Aufgabengebiet eines Lobbyverbandes bereits vom Deutschen Kulturrat außerordentlich erfolgreich besetzt. Was aber ist die KuPoGe? Wenn sie sich nicht als Lobbyverband begreift – was ist sie dann? Ein »Debattierclub«? Also Initiatorin und / oder Organisatorin von Debatten und Diskursen kultur- und gesellschaftspolitischer Debatten? Dies wird als die Aufgabe und das Selbstverständnis der KupoGe im Programm von 1998 deutlich beschrieben, allerdings erst auf der letzten Seite und offensichtlich nicht für alle Mitglieder so nachvollziehbar, dass ein klares Selbstverständnis daraus abgeleitet werden könnte. Da dies jedoch das Kerngeschäft der Kulturpolitischen Gesellschaft darstellt, immer wieder kultur- und gesellschaftspolitische Debatten kritisch zu begleiten, oder diese zu initiieren, sollte darüber nachgedacht werden, das Selbstverständnis der KuPoGe klarer zu formulieren – warum nicht in Form eines »mission statement«, das auch für Zwecke der internen und externen Kommunikation verwendet werden könnte.

(Isa Kathrin Edelhoff ist freie Kulturmanagerin / -vermittlerin und Sprecherin der Regionalgruppe Berlin / Brandenburg der Kulturpolitischen Gesellschaft)

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