Umgekehrt! kultur.macht.netz

Auf die Frage, wie sich die Digitalisierung auf die Kulturpolitik auswirkt, die dem Referenten Christian Henner-Fehr während des Kongresses in einem Interview gestellt wurde, antwortet dieser mit einem über 30 Jahre alten Zitat Foucaults, der schon damals von der Epoche des „Simultanen“ sprach und die Welt als Netz beschrieben hat, was bis heute erstaunlich aktuell klingt (siehe www.2010lab.tv/blog/netzmachtkultur-interview-mit-christian-henner-fehr-kulturmanager).

In diesen rückblickenden Gedanken zum kulturpolitischen Bundeskongress 2011 soll der französische Philosoph ein zweites Mal Erwähnung finden, da sich Foucault gerade mit der Analyse von Macht intensiv auseinandersetzte, was ein Thema des Kongresses war – zumindest nach einer der zwei möglichen Lesarten des Titels. Dies deshalb, um den Kritikern des Kongresses zu begegnen, die sich im Nachhinein eher skeptisch äußerten, da sie Konkretes und Richtungsweisendes vermissten.

Sicherlich waren insbesondere die Beiträge einiger politischen Vertreter nicht einmal heiße, sondern bestenfalls lauwarme Luft und Altbekanntes in Form von Reden aus vergangenen Veranstaltungen. Von den Vorträgen der Vertreter der Wissenschaft, der KuPoGe, der Bundeszentrale für politische Bildung und den Kultureinrichtungen lässt sich dies jedoch nicht sagen. Selbst wenn sich aus deren Beiträgen alles andere als ein gemeinsamer Standpunkt extrahieren lässt, haben diese gezeigt, dass sich den Herausforderungen der Digitalisierung nun gestellt wird – nämlich dadurch, dass sich diesen mit kulturwissenschaftlichem oder kulturpolitischem Sachverstand genähert wird. Auch wenn entgegen der Erwartungen vieler keine fertigen Lösungen und überzeugenden Antworten auf die vielen Fragen gegeben werden konnten, haben die Vorträge und Diskussionsbeiträge doch gezeigt, dass die Kulturpolitik hier noch nicht ihre gestaltende Rolle verloren hat. Die Macht, den Diskurs mitzubestimmen, ist teilweise an die von kommerziellen Interessen angetriebene Wirtschaft und die Masse der erlebnishungrigen Nutzer abgegeben worden – aber eben nur teilweise.

„Wo es Macht gibt, gibt es Widerstand“ schrieb Foucault in „Der Wille zum Wissen“ – und dieser Widerstand ist sichtbar geworden – nicht an den Rändern und nicht von Außenseitern – denn wie Foucault weiter ausführte: „Und doch oder vielmehr gerade deswegen liegt der Widerstand niemals außerhalb der Macht“. In diesem Sinne kann eine wichtige Erkenntnis aus dem Kongress gezogen werden, die durch Anagrammieren des Titels formuliert werden kann: in Zukunft wird es immer häufiger heißen: kultur.macht.netz!

Simon A. Frank

Dieser Beitrag entstand ursprünglich für die Juli-Ausgabe von KM und erscheint hier etwas verspätet in leicht überarbeiteter Fassung.

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