Die Zukunft liegt in unserer Hand


© A.Dreher ; Pixelio

Der gestrige erste Tag des Bundeskongresses der Kulturpolitischen Gesellschaft war voll von wichtigen Informationen. Gerd Loovink stellte fest, dass die Digitalisierung nur noch deshalb ein Thema sei, weil sie zwar schon weit fortgeschritten bzw. längst abgeschlossen sei, die Probleme aber dadurch entstünden, weil große Teile der Gesellschaft – und damit auch der Politik – dieser Entwicklung hinterherhinken. Dementsprechend großen Raum nahmen diese „Probleme“, Stichwort Urheberrecht oder Netzneutralität, bei den Diskussionen und Vorträgen auch ein. Selbst die Netzkunst diente als Aufhänger für das Thema Urheberrecht.

Viele dieser Punkte sind richtig und wichtig, sie müssen umgehend gelöst werden. Ob im Rahmen einer Enquete-Kommission oder durch die normative Kraft des Faktischen, wird die Zukunft weisen. Der Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft beschäftigt sich mit dem Thema Digitalisierung und geht am heutigen zweiten Tag sehr konkret darauf ein, was der Kunst- und Kulturbereich unternehmen kann, um in diese digitale Welt einzutauchen und sie auch für die jeweiligen Zwecke zu nutzen, ob das nun Marketing, die interne Zusammenarbeit, die künstlerische Arbeit oder das Thema Finanzierung ist.

Ich hätte mir gewünscht, dass an diesem ersten Tag mehr von den Chancen der digitalen Welt die Rede ist, von den vielen Möglichkeiten, die uns dort geboten werden. Ich muss bei einer neuen Sache erst wissen, was ich mit ihr alles erreichen kann oder zumindest glaube, erreichen zu können. Ist diese Motivation mal da, verschwinden die Probleme zwar nicht von alleine, aber viele lassen sich wesentlich leichter lösen.

Mir fällt in diesem Zusammenhang die Geschichte von James Burbage, einem englischen Kulturunternehmer des 16. Jahrhunderts ein. Burbage errichtete 1576 in London das erste öffentliche Theater und führte die Theaterkasse ein. Der Grund: Theater fand damals auf öffentlichen Plätzen statt, das Publikum stand um den „Spielplatz“ herum und wenn das Stück zu Ende war, wurde von den Zusehern Geld eingesammelt. Die allerdings taten, was viele von uns auch machen, wenn sie in einer Fußgängerzone den Künstlern zuschauen und merken, gleich geht der Hut herum: sie verschwanden.

Die Idee Brubages bestand darin, die Zuschauer vor der Veranstaltung zahlen zu lassen und damit Planungsssicherheit zu gewinnen, zumindest vor Ort. Mindestens genauso wichtig ist aber das, was Bernard Sahlins vor einigen Jahren auf einer Konferenz Association of Arts Administration Educators ansprach:

„(H)e started the process of transforming the actor from being a beggar, who humbly passed the hat, to being an artist, who was held to be of great worth to the community.“

Genau einen solchen Motivationsschub brauchen wir eigentlich auch heute, sowohl was das Thema Einnahmen betrifft, als auch das Ansehen von Kunst und Kultur bzw. den Status von Künstlern. Die Chancen sind da, die digitale Welt bietet uns unendlich viele neue Möglichkeiten, die wir aber selbst erst erkunden und erfinden müssen. Wer sich darauf einlässt, wird dann hoffentlich recht schnell merken: es kann auch Spaß machen!

Christian Henner-Fehr

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