Parallelwelten

Guten Morgen Berlin, guten Morgen Bibliothekartag, guten Morgen KUPOGE-Bundeskongress,

diese Woche lebe ich in Parallelwelten. Nein, ich meine damit nicht World of Warcraft oder Second Life oder Facebook. Ich meine den Bibliothekartag und den KUPOGE-Bundeskongress.

Gleich bin ich wieder auf dem Bibliothekartag – so wie gestern und vorgestern. Die erste Amtshandlung: die XBOX360 und die Wii anschalten. Vier Stationen, die Teil der Gamingroadshow für Kultur- und Bildungsinstitutionen sind. Und dann: Spielen! Diskutieren! Nachdenken! Was bedeutet die digitale Welt für die Kultur- und Wissensvermittlung?

In den letzten Jahren habe ich eine große Zahl an Kultur- und Bildungsinstitutionen in die digitale Zukunft begleitet. Eines ist mir klar geworden: In der digitalen Welt geht es nicht um das Verständnis von Technologien und deren Funktionalitäten sondern um die damit verbundene Kultur. Kulturinstitutionen müssen sich überlegen, ob sie mit dieser Kultur kompatibel sind.

Und die Menschen? Was ist mit den Menschen? In den letzten Jahren war ich auf vielen Konferenzen und Tagungen. Eines haben sie meistens gemein: wir reden dort über die Menschen/Kunden/Nutzer/Besucher – aber nicht mit Ihnen. Deshalb bin ich so gerne auf der gamescom.

Ok, da kommen dann bis zu 250.000 Menschen aber….

Gestern werde ich kritisiert: Die Bibliothekare würden hier zu viel Spielen und zu wenig über Spiele diskutieren. Bravo! Nehmt den Kulturinstitutionen ihre Spielzeuge weg. Die sollen doch bitte ernsthaft bleiben. Ich antworte dann immer: „Keine Angst, die wollen nur spielen, und wer spielt, ist bzw. bleibt Mensch“

Es liegt noch ein langer Weg vor uns. Die Kultur- und Bildungsinstitutionen sind in der Breite noch lange nicht in der digitalen Welt angekommen. Sie sind wie schlafende Riesen.

Die digitale Welt ist für die Kulturinstitutionen immer noch ein Exot – die Kulturinstitutionen sind immer noch Exoten in der digitalen Welt.

Meine Hoffnung für die Zukunft: Irgendwann nennen wir das Internet und Co. nicht mehr „Neue Medien“ und irgendwann sind Kultur- und Bildungsinstitutionen die Ersten, die neue Technologien- und Kulturformen ausprobieren. Die Kulturinstitution als Innovationsträger…

Gebt Kulturinstitutionen Raum zum Ausprobieren! Gebt Ihnen Raum für Fehler! Ich lese immer wieder, Kulturinstitutionen sollten vor allem Freiräume für Kunst und Kultur schaffen – wer gibt den Institutionen diese Freiräume um neue bzw. bessere Institutionen zu schaffen?

Ich muss jetzt los – ich habe gerade gehört, dass sich ein paar Bibliothekare um die Controller der Wii streiten. „Herr Dr. Meier! Lassen Sie nun auch mal Frau Dr. König spielen“

Beste Grüße

Christoph Deeg

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3 Gedanken zu „Parallelwelten

  1. Pingback: Der Bibliothekartag 2011 in der Biblioblogosphäre (14.06.2011, 10:47 Uhr) : Bibliothekarisch.de

  2. Pingback: Und dann war Ruhe… | Kulturbeutel

  3. Lieber Christoph,

    vielen Dank für den ersten Blogbeitrag aus Berlin! Der erste Tag hat auch bei mir deutliche Spuren hinterlassen. Ich bin erschöpft von den Beiträgen und muss mich erst einmal sortieren… Der Tag stand zwischen ganz aktuellen praktischen Dingen wie die akute Frage des Urheberrechts und der Frage, wie wir unser kulturelles Erbe in den nächsten 150 oder gar in den nächsten 15.000 Jahren sichern können. Jetzt aber bleibt keine Zeit zur Reflektion, denn es geht zum Abendprogramm: ein multimedialer Abend wartet im Collegium Hungaricum! Bis morgen,
    Christiana Henke

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