Zur UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes

Ein Diskussionsbeitrag einiger Kieler Studierender

Kaum eine Frage ist, wie aktuelle Ereignisse zeigen, so zentral und komplex wie die nach der kulturellen Identität Deutschlands. Die Aufstellung der Liste des immateriellen Kulturerbes Deutschlands, die die Identität unseres Landes nach innen wie außen kommunizieren soll, ist daher ein umso aktuelleres Thema der Kulturpolitik. Aufgrund seiner internationalen Reichweite ist es von nicht zu unterschätzender Bedeutung. An Aktualität gewinnt dieses kulturpolitische Unternehmen zusätzlich durch seine Kontinuität. Die nächste Bewerbungsphase beginnt im Frühjahr dieses Jahres. Für eine produktive Debatte ist es also nicht zu spät.

Weiterlesen

TTIP und Kultur – Ein Missverständnis?!

Manuela Lück

Seit einigen Monaten beherrscht das Transatlantic Trade Investor Partnership, kurz TTIP, die öffentliche Debatte. Einerseits erfreulich, dass auch Handelsthemen ihren Weg in die kulturpolitische Diskussion finden, andererseits erstaunt das beschriebene Bedrohungsszenario für die deutsche Kulturlandschaft. Der folgende Beitrag versucht ein wenig mehr Sachlichkeit in die teils aufgeheizte Debatte zu bringen, skizziert den aktuellen Verhandlungsstand und mögliche Auswirkungen auf den Kulturbereich.

Worum geht es?
TTIP ist ein Handels- und Investitionsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA, das Marktzugänge, Einfuhrzölle und Handel mit bestimmten Gütern, Dienstleistungen sowie den Zugang zu öffentlichen Aufträgen erleichtern soll. Seit den 60er Jahren hat Deutschland mehr als 100 derartige Handelsabkommen abgeschlossen. Mit dem Vertrag von Lissabon (2009) ist die europäische Handelspolitik in die ausschließliche Zuständigkeit der EU übertragen worden, d.h. nur mit der Zustimmung Weiterlesen

Kein Handel mit der Kultur!

Die Kulturpolitische Gesellschaft spricht sich gegen einen Investitionsschutz aus, wie in einer Erklärung des Präsidenten der Kulturpolitischen Gesellschaft Oliver Scheytt zu lesen ist. Darin nimmt er kritisch Stellung zu den potentiell schädlichen Auswirkungen auf die Kulturentwicklung in Deutschland und Europa, auch wenn mögliche positive Effekte eines freieren transatlantischen Handels grundsätzlich anerkannt werden.

Die Erklärung im Wortlaut: Weiterlesen

Kulturpolitik und Kulturmanagement

Norbert Sievers

Wo die Verhältnisse schwieriger werden, der Kulturpolitik finanzielle Fesseln angelegt sind und die Kulturwirtschaft an Aufmerksamkeit gewinnt, wachsen die Erwartungen an ein Kulturmanagement, das im »trisektoralen Netzwerk« nach neuen Aufgaben und professioneller Identität sucht. Kein Wunder, dass Einsprüche geltend gemacht werden, die auf Rollenklarheit bestehen. Und doch bleibt zu konstatieren, dass Kulturpolitik managerialer und Kulturmanagement politischer werden müssen, wenn Ressourcenknappheit nach optimierter Systemsteuerung verlangt und jede Veränderung im System eine öffentliche Diskussion heraufbeschwört. Der Schwerpunkt »Kulturpolitik und Kulturmanagement« im Heft 143 der Kulturpolitischen Mitteilungen steht für diese wichtige Selbstverständnis- und Abgrenzungsdebatte, die im Kontext der Kulturpolitischen Gesellschaft schon immer ihren Ort hatte und auch zukünftig haben wird. Weiterlesen

Schriftsteller gegen Überwachung

Aufruf zur Verteidigung der Demokratie im digitalen Zeitalter

Marc Grandmontagne

Am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, wurde in über 30 Zeitungen ein gemeinsamer Aufruf von mehr als 560 Autoren aus 83 Ländern veröffentlicht. Darin richten sie sich gegen die systematische Überwachung der Bürger durch Staaten und Konzerne und rufen dazu auf, die Demokratie in der digitalen Welt zu verteidigen. Zu den Unterzeichnern zählen u.a. Umberto Eco, Orhan Pamuk, Elfriede Jelinek, T.C. Boyle und Günter Grass. Initiatoren des Aufrufs sind Juli Zeh, Ilija Trojanow, Eva Menasse, Janne Teller, Priya Basil, Isabel Fargo Cole und Josef Hasslinger. Bereits im Sommer hatte Juli Zeh einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel verfasst, der von über sechzig Schriftstellern unterzeichnet wurde, die darin Aufklärung in der Prism-Affäre fordern.

Weiterlesen

Gefährdet das geplante transatlantische Freihandelsabkommen die kulturelle Vielfalt in Europa?

Marc Grandmontagne

 Es klingt abstrakt, aber es kann sehr schnell sehr konkret werden: Das transatlantische Freihandelsabkommen soll bereits in 2 Jahren in Kraft treten, letzte Woche startete die zweite Verhandlungsrunde in Brüssel (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ttip-was-das-freihandelsabkommen-fuer-verbraucher-und-unternehmen-bedeutet-1.1815843). Wenn es so kommt, wird der Handel zwischen den USA und Europa von vielen nicht tarifären Hemmnissen befreit werden, die genauen Folgen sind aber unklar. Sicher ist nur, dass Vieles auch erfasst würde, was keinen monozentrischen wirtschaftlichen Blick duldet, sondern eher unter der Überschrift kulturelle Vielfalt einzusortieren wäre. Kulturelle Errungenschaften wie die Buchpreisbindung, der öffentliche-rechtliche Rundfunk, aber auch Bereiche des Umwelt- und Naturschutzes, der Klimapolitik, der Daten- und Lebensmittelsicherheit wären betroffen – kurzum: Wesentliche Bereiche unseres Lebens!

Weiterlesen

Wider den Kulturinfarkt

Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel, Stephan Opitz

»Kulturpolitik bedarf nicht besonderer Schonung, sondern einer kritischen Diskussion. Darf man eine Politik kritisieren, die das Schöne pflegen und die Identität der Menschen fördern will? Kritik ist nicht Gegnerschaft …«
(Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft.
Frankfurt / New York 1992)

Im März 2012 erschien »Der Kulturinfarkt«. Seit dem Erscheinen der Streitschrift läuft eine Debatte zu Kultur und Kulturpolitik, deren Amplitude die Kulturpolitik in der Bundesrepublik Deutschland bislang nicht gesehen hat. Das ist auf der einen Seite verwunderlich angesichts des immer wieder behaupteten hohen politischen Stellenwerts, welcher der aus Steuermitteln geförderten Kultur zugesprochen wird. Andererseits ist es möglicherweise genau dieser nicht übermäßig reflektierte politische Stellenwert von Kultur, der einen lebhaften und vertieften Diskurs jenseits der kulturellen Lobby bislang verhinderte.
Die Behauptung, dass Deutschland ein Kulturstaat sei, geht allen leicht über die Lippen. Dass dies im Grundgesetz festzuschreiben wäre, wurde zwar von der Enquete-Kommission »Kultur in Deutschland« beschlossen, die dafür notwendige Mehrheit im Bundestag kam bisher nicht zusammen. Die Lobby der etablierten Kultur, der Deutsche Kulturrat vorneweg, bemüht sich nach wie vor um die verfassungsrechtliche Kodifizierung des »Kulturstaats«, doch die Diskussion stockt. Großes Interesse an dem Thema gibt es außerhalb der einschlägigen Verbände nicht. Liegt dies am mangelnden Enthusiasmus der Gesellschaft? Oder einfach daran, dass »Kulturstaat« schon fast ein »weißer Schimmel« ist? Gibt es denn etwas, was grundsätzlich noch mehr Kultur voraussetzt als der Begriff »Staat»?

Weiterlesen