Beitrag zur Grundsatzprogramm-Diskussion der
Kulturpolitischen Gesellschaft

Die beabsichtigte Selbstvergewisserung und Neuorientierung ist angesichts der veränderten gesellschaftlichen und kulturellen Herausforderungen begrüßenswert.

Der Terminus »Neue Kulturpolitik« erscheint nach so langer Zeit und erfolgreicher Verbreitung nicht mehr wirklich passend (die »neue« ist inzwischen die alte Kulturpolitik); er bedarf einer Weiterentwicklung.

Die im Wesentlichen noch zeitgemäßen Leitbilder bzw. Zielsetzungen (Ausnahme ist das doch sehr den Debatten der 80er Jahre verhaftete Thema Tätigkeitsgesellschaft) sind teilweise neu zu akzentuieren:

  • Der Beitrag kultureller Bildung, Produktion und Rezeption für Persönlichkeitsbildung, selbstverantwortliche Lebensgestaltung, soziale und demokratische Verantwortung .
  • Kulturelle Inklusion benachteiligter Bevölkerungsgruppen angesichts der wachsenden sozialen Spaltung unserer Gesellschaft.
  • Neue Wege und Formen der Öffnung der Einrichtungen und Angebote der »traditionellen (Hoch-)Kultur« für bisher ausgeschlossene Gruppen und besonders Jüngere.
  • Inhaltliche und institutionelle Herausforderungen im Zusammenhang mit den inzwischen  alle Bereiche der Kultur symbiotisch durchdringenden Neuen Medien.
  • Neue öffentlich-gemeinnützig-private Misch- und Kooperationsformen kultureller Einrichtungen und Angebote.
  • Neugestaltung eines kulturellen Qualitätsdiskurses und kultureller Innovation.

Kulturpolitik als Gesellschaftspolitik muss als Querschnittsaufgabe aller Politikfelder ernst genommen werden. Eine wirksame Kulturpolitik braucht aber gerade deshalb eine eigenständige, professionelle und handlungsfähige Vertretung auf der Ebene der Landes- und kommunalen Verwaltung (also z.B. keine umfassende Delegation zentraler Konzeptions- und Planungsaufgaben an Einrichtungen der kulturellen Selbstverwaltung und Marginalisierung der Kulturressorts bzw. -dezernate; dafür aber intensive Beteiligung der kulturellen Akteure  an politischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen).

Zielgerichtete Entwicklung kultureller Angebote tut gerade in Zeiten schrumpfender Haushalte, gravierender Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur und immer rascher wechselnder kultureller und künstlerischer Ausdrucksformen Not. Sie darf aber kein zu enges Korsett zu schnüren versuchen, sondern muss Wirksamkeit durch Einbeziehung der kulturellen Akteure im Erarbeitungsprozess und durch die Verabredung gemeinsamer Leitorientierungen entfalten, deren Umsetzung nachgehalten wird (z.B.: Was können wir in den verschiedenen Eirichtungen gemeinsam tun, um den Zugang von Migranten zur Kultur zu verbessern?). Sie ist also eher als ein gemeinsamer Kultureller Entwicklungsrahmen auszugestalten,  für verantwortungs- und planvolles kulturpolitisches und kulturelles Handeln. Das heißt vor allem auch, nicht nur die organisierten Interessen in den Blick zu nehmen, sondern zum Beispiel auch zu versuchen herauszufinden, wo Zugangsprobleme  und unbefriedigte kulturelle Bedürfnisse sind.

Fragen des zivilgesellschaftlichen oder bürgerschaftlichen Engagements (z.T. in ehrenamtlichen oder in neuen Beschäftigungsformen) und Anfragen an die kulturelle Verantwortung der Wirtschaft müssen einen höheren Stellenwert erhalten.

Der Themenbereich Globalisierung/Internationalisierung kann nicht mehr zureichend in Gegenüberstellung mit Lokalisierung/Regionalisierung oder durch den Topos »kulturelle Vielfalt« diskutiert werden.  Heute stellt sich vordringlich die Frage, ob und wie wir vor dem Hintergrund des großen vereinheitlichenden Stroms globaler Entwicklungen – jenseits einer verengten Debatte um eine »Leitkultur« – den Eigenwert und die Eigenständigkeit von kulturellen Traditionen (den Bestand von »Vielfalt« überhaupt also), mithin so etwas wie die »spezifische Kulturalität und Geschichtlichkeit«  kultureller Ausdrucksformen (und jeglicher Bildung) bewusst machen und bewusst halten, sichern und als aktive Player in universale Prozesse einbringen können.

Im Kulturbereich bedarf die Föderalismusdebatte vergleichbarer Öffnungen wie sie im Bildungsbereich diskutiert werden.

Dr. Wolfgang Meyer-Hesemann
Vorsitzender des Kulturforum Schleswig-Holstein e.V.
Achterwehr, den 9. September 2011


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Programmdiskussion

Neues Grundsatzprogramm
Vorschläge aus der Mitgliedschaft erbeten

Der Vorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft hat beschlossen, das zurzeit geltende Grundsatzprogramm aus dem Jahr 1997 zu aktualisieren. Er reagiert damit auf gesellschaftliche Veränderungen (z.B. demografische Entwicklung, Digitalisierung), aber auch auf die Situation der Kulturpolitik (z.B. Finanzkrise) und die kulturpolitische Diskussion im neuen Jahrhundert (Ergebnisse der Enquete-Kommission »Kultur in Deutschland«, Verhältnis Angebot-Nachfrage etc.). Ferner versteht sich die Programmdebatte auch als Antwort auf die Mitgliederstruktur der KuPoGe, die immer mehr geprägt ist durch neue und jüngere Mitglieder, für die der programmatische Gründungskontext der 1970er Jahre nicht mehr so relevant sein dürfte wie für die Gründergeneration. Auch die Themen der 1990er Jahre, auf die die erste Programmrevision Bezug genommen hat, sind inzwischen ein wenig verblasst oder sogar in ihrer Bedeutung gewichtiger geworden.

Deshalb macht es Sinn, über die programmatischen Grundsätze neu nachzudenken. Dies soll jedoch nicht nur im Vorstand geschehen, sondern unter aktiver Beteiligung der Mitglieder. Anders als bei der Programmdiskussion vor 15 Jahren sollen sie jedoch nicht nur gefragt werden, wenn der Programmentwurf schon ausgearbeitet vorliegt, sondern schon vorher. Bitte schicken Sie uns Ihre Meinungen und Anregungen bis zum 28. Oktober 2011 an die Mail-Adresse kroeger@kupoge.de. Orientieren Sie sich dabei bitte an folgenden Fragen:

  • Welche Themen/Positionen im alten Programm sind Ihrer Meinung nach nicht mehr aktuell.
  • Welche Themen/Positionen im alten Programm sollten vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Veränderungen und des aktuellen kulturpolitischen Diskussionsstands neu akzentuiert werden?
  • Welche Themen/Positionen fehlen Ihrer Meinung nach im alten Programm und sollten neu aufgenommen werden?

Sobald wir Ihre Meinungsäußerung haben, werden wir sie nach Prüfung in unseren Blog einsetzen, um auf diese Weise eine Diskussion in der Mitgliedschaft über ein neues Programm anzuregen. Der Vorstand wird sich dann auf seiner Sitzung am 25. November 2011 mit den Änderungsvorschlägen auseinandersetzen und auf dieser Basis einen neuen Programmentwurf erstellen und den Mitgliedern im Rahmen einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung im Frühjahr 2012 zur Abstimmung vorlegen.

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Umgekehrt! kultur.macht.netz

Auf die Frage, wie sich die Digitalisierung auf die Kulturpolitik auswirkt, die dem Referenten Christian Henner-Fehr während des Kongresses in einem Interview gestellt wurde, antwortet dieser mit einem über 30 Jahre alten Zitat Foucaults, der schon damals von der Epoche des „Simultanen“ sprach und die Welt als Netz beschrieben hat, was bis heute erstaunlich aktuell klingt (siehe www.2010lab.tv/blog/netzmachtkultur-interview-mit-christian-henner-fehr-kulturmanager).

In diesen rückblickenden Gedanken zum kulturpolitischen Bundeskongress 2011 soll der französische Philosoph ein zweites Mal Erwähnung finden, da sich Foucault gerade mit der Analyse von Macht intensiv auseinandersetzte, was ein Thema des Kongresses war – zumindest nach einer der zwei möglichen Lesarten des Titels. Dies deshalb, um den Kritikern des Kongresses zu begegnen, die sich im Nachhinein eher skeptisch äußerten, da sie Konkretes und Richtungsweisendes vermissten.

Sicherlich waren insbesondere die Beiträge einiger politischen Vertreter nicht einmal heiße, sondern bestenfalls lauwarme Luft und Altbekanntes in Form von Reden aus vergangenen Veranstaltungen. Von den Vorträgen der Vertreter der Wissenschaft, der KuPoGe, der Bundeszentrale für politische Bildung und den Kultureinrichtungen lässt sich dies jedoch nicht sagen. Selbst wenn sich aus deren Beiträgen alles andere als ein gemeinsamer Standpunkt extrahieren lässt, haben diese gezeigt, dass sich den Herausforderungen der Digitalisierung nun gestellt wird – nämlich dadurch, dass sich diesen mit kulturwissenschaftlichem oder kulturpolitischem Sachverstand genähert wird. Auch wenn entgegen der Erwartungen vieler keine fertigen Lösungen und überzeugenden Antworten auf die vielen Fragen gegeben werden konnten, haben die Vorträge und Diskussionsbeiträge doch gezeigt, dass die Kulturpolitik hier noch nicht ihre gestaltende Rolle verloren hat. Die Macht, den Diskurs mitzubestimmen, ist teilweise an die von kommerziellen Interessen angetriebene Wirtschaft und die Masse der erlebnishungrigen Nutzer abgegeben worden – aber eben nur teilweise.

„Wo es Macht gibt, gibt es Widerstand“ schrieb Foucault in „Der Wille zum Wissen“ – und dieser Widerstand ist sichtbar geworden – nicht an den Rändern und nicht von Außenseitern – denn wie Foucault weiter ausführte: „Und doch oder vielmehr gerade deswegen liegt der Widerstand niemals außerhalb der Macht“. In diesem Sinne kann eine wichtige Erkenntnis aus dem Kongress gezogen werden, die durch Anagrammieren des Titels formuliert werden kann: in Zukunft wird es immer häufiger heißen: kultur.macht.netz!

Simon A. Frank

Dieser Beitrag entstand ursprünglich für die Juli-Ausgabe von KM und erscheint hier etwas verspätet in leicht überarbeiteter Fassung.

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Die Krise des „Qualitätsjournalismus“

                                                   (c) Günther Richter/ pixelio

Mein erster Handgriff ging auch heute morgen wieder zu meinem Smartphone, um auf meinen facebook-, twitter-und Xing-App zu sehen, was meine Community so bewegt. Als Zweites öffnete ich gleich meinen Feed-Reader, um auf die von mir zusammengestellte Informations-Welt zuzugreifen. Ich habe mir dort aus vielen verschiedenen Zeitungen, Blogs, Portalen, Online-Angeboten der öffentlich-rechtlichen Anstalten meinen eigenen Informations-Kiosk zusammengestellt. Ich husche über die Überschriften, bleibe hier und da hängen, empfehle einige Artikel weiter und kommentiere sie ab und zu. Danach schaue ich auf den Zeitungsberg aus Papier, der endlich mal seinen Weg in den Altpapier-Container finden müsste (eigentlich ist der nicht so weit, da er direkt vor meiner Wohnung steht, aber gut!) Bei mir stapeln sich die Ausgaben der ZEIT und der WAZ, die ich eigentlich noch lesen wollte, da ich aber bereits die Online-Artikel gelesen habe, wandern sie meistens relativ jungfräulich in den großen Korb und ich ärgeren mich, dass ich immer noch dafür zahle, denn online gibt es doch alles kostenlos, oder?! Ich stehe kurz vor der Kündigung meiner Abos…..

Und dann stieß ich gerade heute auf einen Artikel bei Spiegel Online Kultur von Sebastian Borger „Kurswechsel beim “Guardian” ‚Zeitung? Das ist doch 19. Jahrhundert’“ (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,770702,00.html) Borger verweist mit dem Titel auf eine Aussage des Chefredakteurs des „Guardian“, Alan Rusbridger „Bäume abholzen, Papier bedrucken, mitten in der Nacht die Stapel mit der neuesten Ausgabe durchs Land karren – diese Vorgehensweise der Nachrichten-Verbreitung “ist betriebswirtschaftlich überholt”.

Ich würde in seiner Argumentation noch weiter gehen, nicht nur die Produktion und Vertrieb der Zeitungen sind überholt, sondern auch das Informationsverhalten aufgrund mannigfaltiger Interessen der Leser. Gerhard Schulze beschrieb die Ausdifferenzierung und Pluralisierung der Gesellschaft in seinem Vortrag „Strukturwandel der Öffentlichkeit 2.0“ auf dem Kulturpolitischen Bundeskongress und verwies auf Sloterdijks Metapher des Schaumes, um eine seiner drei derzeitigen Entwicklungslinien zu beschreiben – nämlich die der Marginalisierung. (Die gesamte Rede von Prof. Gerhard Schulze steht online unter http://www.netz-macht-kultur.de)

„Die Öffentlichkeit ist ein Schaumgebirge, bestehend aus zahllosen kleinen Bläschen. (…) Die rasche Entstehung der virtuellen Öffentlichkeit hat diesen Prozess noch einmal enorm beschleunigt, als ob der Zeitgeist eine ganze Flasche Geschirrspülmittel in die Badewanne geschüttet und dann einen Rührstab hineingehalten hätte. Das Schaumgebirge wächst ins Riesenhafte, die einzelnen Bläschen schrumpfen in Relation dazu. So ist es kein Widerspruch, wenn man sagt, die Öffentlichkeit sei gleichzeitig größer und kleiner geworden. Vergrößert hat sich die Masse der Enklaven, verkleinert hat sich ihre gesamtgesellschaftliche Bedeutung.“

Durch die Masse der Enklaven oder in der Masse der Teilöffentlichkeiten hat der sogenannte „Qualitätsjournalismus“ in einer Demokratie zum Einen die Funktion der Informationsvermittlung, damit die Mitglieder in einer Gesellschaft sich eine eigene Meinung zu politischen Fragen bilden können und zum Anderen üben diese „Leit- oder Qualitätsmedien“ eine Kontrollfunktion gegenüber Machthabern aus. Sie sind „Wachhunde“ der Demokratie!

Die Bundeszentrale für politische Bildung sagt in ihren Informationen zur politischen Bildung weiter,
„Leit- oder Qualitätsmedien sorgen für die Sichtbarmachung und Verknüpfung von Teilöffentlichkeiten“ (…). So stellen beispielsweise national verbreitete Qualitätszeitungen wie die Frankfurter Allgemeine oder die Süddeutsche Zeitung eine andere Form von Teilöffentlichkeit her als eine Fachtzeitschrift, die sich nur an eine kleine Gruppe von Interessierten richtet.“

Kommen wir nun noch einmal zurück auf die derzeitigen Gegebenheiten der Medienkrise im Printbereich (über den TV-Bereich sollte an anderer Stelle noch einmal geredet werden):

Extreme Einbußen in der Auflage (beim Guardian waren es 31% in den letzten 5 Jahren) und Einbrüche in den Anzeigeneinnahmen. Kai-Heinrich Renner berichtete in dem Buch „Digital ist besser“, das er zusammen mit seinem Bruder Tim Renner geschrieben hat und äußerst lesenswert ist, dass sich im Zuge der „digitalen Revolution“ die meisten Anzeigenkunden ins Netz verabschieden, dort aber v.a. zu Monopolisten wie google gehen. Dieser Verlust hat dramatische Folgen, da laut den Renners nur noch Druck und Vertrieb über den Einzelverkauf und Abonnements finanziert werden. Folgen sind zahlreiche Entlassungen der Journalisten und dünnere Zeitungen. Aber kann es sich die Gesellschaft erlauben, die „Wachhunde“ der Demokratie zu verlieren? Oder tauchen in der digitalen Welt nun weitere Akteure auf, die Teilfunktionen dieser „Wachhunde“ übernehmen? Man denke nur an die Plattform Guttenplag (http://de.guttenplag.wikia.com) oder an Wikileaks (http://wikileaks.org/).

Ich denke, dass diese Plattformen und der darüber entstandene unkomplizierte Austausch gesellschaftlich und politisch interessierter Menschen eine absolute Bereicherung für die Demokratie darstellen. Es ist aber ebenso wichtig, dass diese gesammelten Informationen sortiert, eingeordnet und kommentiert werden. Deshalb muss der sogenannte „Qualitätsjournalismus“ unbedingt als unabhängige Instanz für unsere Demokratie erhalten bleiben.

Nur was tun, wenn die „Qualitätszeitungen und -magazine“, allen voran der Spiegel (schon ab 1994), ihr journalistisches Angebot kostenlos ins Netz stellen? Kann man die Online-Leserschaft davon überzeugen, zukünftig für die genutzten Inhalte zu zahlen? Neue Geschäftsmodelle müssen dringend gefunden werden! Also, hier sind kreative Ideen gefragt: von Crowdfunding-Modellen, über die Einführung einer „Presse-Flatrate“ analog zur Idee der „Kultur-Flatrate“, Ausweitung der GEZ-Gebühren oder wie die NZZ Online schreibt „Zeitungen als Gemeinwohlaufgabe – Nichtkommerzieller Journalismus als Modell der Zukunft?“ (http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/zeitungen_als_gemeinwohlaufgabe_1.10852314.html) und als eine Möglichkeit benennt, dass Verlage von gemeinnützigen Stiftungen getragen werden könnten. Das letztere finde ich eine äußerst charmante Idee!

Christiana Henke

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Crowdfunding: ein Finanzierungsansatz für Kunst und Kultur?


© Claudia Hautumm ; Pixelio

Ob Spiegel, Handelsblatt oder TAZ, das Thema Crowdfunding ist auch in den klassischen Medien angekommen. Geld ist knapp, nicht nur im Kunst- und Kulturbereich, und so verbinden viele mit diesem Thema die Hoffnung, dass sich hier ein Weg zur Finanzierung der eigenen Vorhaben auftut. Das heißt vereinfacht gesagt: das fehlende Geld macht das Thema so interessant, was damit zu tun hat, das Bund, Länder und Kommunen einem immer stärker werdenden Spardruck ausgesetzt sind und daher nicht mehr in der Lage sind, den ständig wachsenden Bereich von Kunst und Kultur mit den nötigen finanziellen Mitteln zu versorgen.

Das war wohl auch der Grund, warum es in einem der Foren auf dem Bundeskongress um das Thema Crowdfunding ging. Aber was ist Crowdfunding jetzt eigentlich und worauf muss man dabei achten? Wer Wikipedia zu Rate zieht, erfährt dort, dass bei der “Schwarmfinanzierung” (so die deutsche Übersetzung) die anonyme Masse der Internetnutzer als Kapitalgeber fungiert. Ähnlich formuliert es Wolfgang Gumpelmaier in seinem Artikel „Warum Crowdfunding kein schnelles Geld verspricht – Voraussetzungen für gelungenes Online-Fundraising (in: Social Media im Kulturmanagement“, S. 366):

„Abgeleitet vom Begriff Crowdsourcing bezeichnet Crowdfunding im Allgemeinen einen Prozess der Projektfinanzierung, bei dem über das Internet kleine Geldbeträge von einer (meist) anonymen Masse in kollektiver Zusammenarbeit eingesammelt werden.“

Häufig werden diese Kleinbeträge auch als Spenden bezeichnet, was aber nicht ganz korrekt ist, denn der Kapitalgeber erhält, im Gegensatz zur Spende, für seine finanzielle Unterstützung eine Gegenleistung. Das kann das zu schreibende Buch, die CD, die produziert werden soll oder auch ein Dankeschön per Video sein. Eigentlich entspricht es damit eher dem Sponsoring, wo es um den Austausch von Leistung und Gegenleistung geht.

Wie funktioniert Crowdfunding? Sie können zwar theoretisch auch auf Ihrer eigenen Website um die benötigte Summe werben. Aber meist findet Crowdfunding auf dafür eingerichteten Plattformen statt. Den ersten erfolgreichen Versuch im Kunst- und Kulturbereich unternahm im Jahr 2006 die Plattform Sellaband, auf der Musiker und/oder Bands versuchten, 50.000 Dollar für ihre CD-Produktion zu sammeln. Die Plattformbetreiber erhielten dann im Erfolgsfall eine Provision, ein Geschäftsmodell, das sich als wenig praktikabel erwiesen hat, da die Hürde mit 50.000 Dollar viel zu hoch lag und so kaum Geld in die Kasse kam. Zwar ist die Hürde heute nicht mehr so hoch, aber trotzdem wird man mit einer solchen Plattform nicht reich, in Deutschland reichen die Provisionen vermutlich noch nicht einmal dazu, die Kosten für den Betrieb der Seite zu decken. Unlautere Absichten oder den Wunsch nach dem schnellen Geld muss man daher keinem der Plattformbetreiber unterstellen, da gibt es vermutlich interessantere Möglichkeiten.

Wer ein Projekt per Crowdfunding finanzieren möchte, stellt sein Vorhaben auf einer der Plattformen (z.B. mysherpas, startnext oder inkubato) vor. Wichtig dabei ist nicht nur eine verständliche Projektbeschreibung in Textform, sondern auch ein Video, in dem die Macher entweder ihr Vorhaben erklären oder man sich anhand von Ausschnitten ein Bild machen kann, worum es in dem Projekt gehen wird. Auch Fotos sind natürlich nicht schlecht.

Wichtig ist nun, dass man genau darstellt, wie viel Geld man eigentlich benötigt und worin die Gegenleistungen bestehen. Das kann im Musikbereich die produzierte CD, im Filmbereich die DVD, in der Literatur das Buch, aber natürlich auch die Einladung zur Veranstaltung sein. Orientiert sich die Gegenleistung am Produkt, bedeutet das, dass die Bezahlung für die Nutzung bzw. den Erwerb des Produktes an den Beginn der Produktionsphase gewandert ist, während man normalerweise die CD, die DVD oder das Buch erst dann verkauft, wenn die Produktion abgeschlossen ist. Der Vorteil für die Projektverantwortlichen besteht daher in einer größeren Planungssicherheit. Erst wenn ich von meinen „Kunden“ das Geld erhalten habe, beginne ich mit der Produktion.

Wie können die Projekte unterstützt werden? Das Geld wird in der Regel per Überweisung, Kreditkarte oder via PayPal zum Plattformbetreiber transferiert. Schaffen es die Projektbetreiber, innerhalb des vorgegebenen Zeitraums (bis zu 6 Monaten), die gewünschte (und nach außen hin sichtbare) Summe zusammen zu bekommen, wird ihnen das Geld vom Plattformbetreiber überwiesen. Gelingt es ihnen nicht, die gewünschte Summe einzusammeln, geht das Geld an die Unterstützer zurück.

Wie kann ich Unterstützer für mein Projekt gewinnen? Das Projekt zu planen, zu budgetieren und dann auf der gewählten Plattform zu präsentieren, ist zwar nicht ohne, aber nun beginnt die eigentliche Arbeit: die Unterstützer müssen gefunden werden.

Wer glaubt, dass die eigene Idee gut ist und sich, nachdem das Vorhaben online ist, zurücklehnt und darauf wartet, dass das Geld zu fließen beginnt, wird vermutlich eine böse Enttäuschung erleben. Es kommt zwar immer wieder mal vor, dass ein Projekt auf unerwartet großes Interesse stößt und man eigentlich gar nichts tun muss, um das Geld zusammen zu bekommen. Aber meist steckt hinter einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne sehr viel Arbeit. Die Erfolgsformel lautet: Qualität+Reputation+Netzwerk

Dass es sich bei meinem Vorhaben um eine gute Projektidee handelt, die anderen Menschen gut gefällt, ist selbstverständlich. Qualität ist eigentlich die Grundvoraussetzung für Crowdfunding. Ist mein Vorhaben nicht gut, nicht originell, wird mir wohl kaum jemand Geld dafür zur Verfügung stellen. Aber selbst mit der entsprechenden Qualität ist mein Vorhaben kein Selbstläufer. Wann geben wir jemandem Geld für etwas, was wir nicht unbedingt brauchen? Nur wenn wir dieser Person vertrauen. Vertrauen ist das Ergebnis von Reputation, die man sich erarbeiten muss. Je höher die Reputation, desto niedriger ist der Aufwand, andere zu etwas zu überreden. Ihr Lieblingsautor muss wenig tun, um Sie dazu zu bringen, sein neuestes Buch zu kaufen, er genießt in Ihren Augen eine hohe Reputation. Da tut sich ein Ihnen völlig unbekannter Schriftsteller schon wesentlich schwerer.

Mindestens ebenso wichtig ist ein – möglichst – großes Netzwerk, denn im Idealfall erzählen meine Fans und Unterstützer ihren Freunden von meinem Projekt und überzeugen sie davon, mich und mein Vorhaben ebenfalls zu unterstützen. Der Multiplikatoreffekt ist von großer Bedeutung, nur so trifft zu, was in Wikipedia über Crowdfunding zu lesen ist: es ist die anonyme Masse, die mein Vorhaben finanziert, also Menschen, die ich nicht kenne und die trotzdem bereit sind, in mein Projekt zu investieren.

Soweit das Grundprinzip des Crowdfunding. Natürlich gibt es noch einige Aspekte, die Beachtung verdienen und zu diskutieren sind. Ist Crowdfunding etwa für alle Projekte im Kunst- und Kulturbereich geeignet oder ist die Tendenz, dass Kunst „gefallen“ muss, um finanziert zu werden, nicht eine Entwicklung, die den Mainstream begünstigt? Eine andere Frage ist, ob Crowdfunding die öffentliche Förderung ersetzen kann oder ob es darum geht, Modelle zu entwickeln, die beide Finanzierungsformen kombinieren? Wie sehen Sie das?

Christian Henner-Fehr

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Meine ersten Schritte als „Digital Immigrant“!

Es ist Samstagabend und ich sitze nun alleine in meinem Arbeitszimmer. Die analoge Welt um mich herum sieht verregnet aus. Aber bin ich denn alleine? Seid Ihr nicht da draußen immer bei mir? Ich kann gleichzeitig das Leben einer Bekannten auf Hawaii mitverfolgen, konnte sehen, wie sie ihr Auslandssemester erlebt hat und nun beobachten, wie sie ihren Rückweg antritt. Ich frage auch mal schnell meine Community, ob sie mir wichtige Fragen beantworten kann. Mein Leben hat sich entschieden verändert! Binnen weniger Monate bin ich Teil einer neuen Gemeinschaft geworden, habe neue interessante Menschen und Themen kennen gelernt, konnte mich direkter an gesellschaftlichen Debatten beteiligen, fühle mich als ein wichtiger Teil eines Netzwerkes und schneller informiert. Ich gebe gerne Informationen in dieses Netzwerk hinein, weil ich ebenfalls viele Informationen dort raus ziehe.

Trotzdem bin ich ein „Digital Immigrant“ und taste mich langsam an die Möglichkeiten der digitalen Welt heran. Zum ersten Mal nutze ich als Bloggerin nun auch die Chance, meine Gedanken und Vorstellungen mit dieser Community zu teilen. Erhoffe mir Feedback, gleiche oder andere Erfahrungen.

Man könnte nun meinen, dass ich ein absoluter Verfechter der digitalen Bewegung bin. Das ist sicherlich nicht der Fall! Ich habe auf viele Fragen und Gefahren, die auch der Kongress aufgeworfen hat, keine Antwort. Ich bin aber der Auffassung von Prof. Schulze, dass das Social Web oder das Web 2.0 einen positiven gesellschaftlichen Wandel befördern oder ermöglichen kann. Für mich ist wie auch für Thomas Krüger das Glas halbvoll.

Ich plädiere dafür, eigene Erfahrungen im Web 2.0 zu sammeln. Das eigene Kommunikationsverhalten mal auf den Prüfstand zu stellen. Ich habe immer wieder auf dem Kongress gehört „Warum soll man permanent twittern oder posten, was man gerade macht?“ „Ich bekomme genügend Emails, ich kann diese Informationen gar nicht verarbeiten, ich habe keine Zeit dazu!“ Das Web 2.0 ist kein zusätzlicher Kanal, der uns mit einer Vielzahl von unwichtigen Eindrücken und Informationen überschüttet, sondern kann ein Raum der unterschiedlichsten Möglichkeiten sein, die der Kongress vielleicht noch prägnanter hätte rausstellen können. Da bin ich ganz der Meinung von Christian Henner-Fehr. Das Hervorheben der Chancen des Web 2.0 für unsere Wissensgesellschaft sollte als Vision klar benannt werden. Nur, wenn man eine gesellschaftliche Vision entwickelt, können Wege dorthin beschrieben und rechtliche Rahmenbedingungen angepasst werden.

Ein wichtiger Schritt war es, diese Diskussionen mit diesem Kongress in der kulturpolitischen Debatte zu platzieren. Viele Fragen möchte ich gerne noch erörtern, die der Kongress nur anreißen konnte, da vor allem die Frage des Urheberrechts und der Netzneutralität im Raum stand.

Eine entscheidende Frage ist die der digitalen kulturellen Bildung und Medienkompetenz, die nur innerhalb eines Forums angerissen werden konnte. Man sollte einen genauen Blick auf das Nutzerverhalten der „Digitale Natives“ werfen. Birgit Mandel hat in den Kulturpolitischen Mitteilungen IV/ 2010 die Tendenz  aufgrund der aktuellen Shell-Studie beschrieben, „dass Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Milieus auch im Netz weniger Chancen auf kulturelle Selbstbildungsprozesse haben, weil sie das Netz weniger kompetent für Ihre Entwicklung nutzen.“ Das enthierachisierte Netz könnte also Bildungsunterschiede verschärfen und nicht verringern.

Diesen Punkt würde ich gerne zur Diskussion stellen.

Christiana Henke

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twitter.macht.kultur (2. Kongresstag)

Noch kurz die Twitter-Statistik von zweiten Kongresstag:  Insgesamt wurden am heutigen Freitag 611 Tweets (mit dem Hashtag #kupoge) gezählt, also etwa 8% weniger als am Vortag.

Am zweiten Kongresstag beteiligten sich aktiv 97 Twitter-User an der Diskussion rund um die Vorträge des Kongresses mit mindesten einem Tweet – etwas genauso viel wie am Donnerstag (da waren es 103 Twitter-User). Insgesamt (über die zwei Tage verteilt) waren es 168 Twitter-User.

Am meisten Beiträge kamen auch heute von @Weiszklee mit insgesamt 73 Tweets, gefolgt von @hildesheimblog (45 Tweets) und @kmweimar (46 Tweets), die beide gestern zwar auch unter den Vielschreibern waren, aber nicht unter den ersten drei. Auch heute wurden im Durchschnitt etwa sechs Tweets pro User geschrieben.

Eine genauere Auswertung folgt in den nächsten Tagen.

Simon A. Frank

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Die Zukunft liegt in unserer Hand


© A.Dreher ; Pixelio

Der gestrige erste Tag des Bundeskongresses der Kulturpolitischen Gesellschaft war voll von wichtigen Informationen. Gerd Loovink stellte fest, dass die Digitalisierung nur noch deshalb ein Thema sei, weil sie zwar schon weit fortgeschritten bzw. längst abgeschlossen sei, die Probleme aber dadurch entstünden, weil große Teile der Gesellschaft – und damit auch der Politik – dieser Entwicklung hinterherhinken. Dementsprechend großen Raum nahmen diese “Probleme”, Stichwort Urheberrecht oder Netzneutralität, bei den Diskussionen und Vorträgen auch ein. Selbst die Netzkunst diente als Aufhänger für das Thema Urheberrecht.

Viele dieser Punkte sind richtig und wichtig, sie müssen umgehend gelöst werden. Ob im Rahmen einer Enquete-Kommission oder durch die normative Kraft des Faktischen, wird die Zukunft weisen. Der Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft beschäftigt sich mit dem Thema Digitalisierung und geht am heutigen zweiten Tag sehr konkret darauf ein, was der Kunst- und Kulturbereich unternehmen kann, um in diese digitale Welt einzutauchen und sie auch für die jeweiligen Zwecke zu nutzen, ob das nun Marketing, die interne Zusammenarbeit, die künstlerische Arbeit oder das Thema Finanzierung ist.

Ich hätte mir gewünscht, dass an diesem ersten Tag mehr von den Chancen der digitalen Welt die Rede ist, von den vielen Möglichkeiten, die uns dort geboten werden. Ich muss bei einer neuen Sache erst wissen, was ich mit ihr alles erreichen kann oder zumindest glaube, erreichen zu können. Ist diese Motivation mal da, verschwinden die Probleme zwar nicht von alleine, aber viele lassen sich wesentlich leichter lösen.

Mir fällt in diesem Zusammenhang die Geschichte von James Burbage, einem englischen Kulturunternehmer des 16. Jahrhunderts ein. Burbage errichtete 1576 in London das erste öffentliche Theater und führte die Theaterkasse ein. Der Grund: Theater fand damals auf öffentlichen Plätzen statt, das Publikum stand um den “Spielplatz” herum und wenn das Stück zu Ende war, wurde von den Zusehern Geld eingesammelt. Die allerdings taten, was viele von uns auch machen, wenn sie in einer Fußgängerzone den Künstlern zuschauen und merken, gleich geht der Hut herum: sie verschwanden.

Die Idee Brubages bestand darin, die Zuschauer vor der Veranstaltung zahlen zu lassen und damit Planungsssicherheit zu gewinnen, zumindest vor Ort. Mindestens genauso wichtig ist aber das, was Bernard Sahlins vor einigen Jahren auf einer Konferenz Association of Arts Administration Educators ansprach:

“(H)e started the process of transforming the actor from being a beggar, who humbly passed the hat, to being an artist, who was held to be of great worth to the community.”

Genau einen solchen Motivationsschub brauchen wir eigentlich auch heute, sowohl was das Thema Einnahmen betrifft, als auch das Ansehen von Kunst und Kultur bzw. den Status von Künstlern. Die Chancen sind da, die digitale Welt bietet uns unendlich viele neue Möglichkeiten, die wir aber selbst erst erkunden und erfinden müssen. Wer sich darauf einlässt, wird dann hoffentlich recht schnell merken: es kann auch Spaß machen!

Christian Henner-Fehr

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twitter.macht.kultur (1. Kongresstag)

„Die Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft ist nicht nur Thema des Kulturpolitischen Bundeskongresses, sondern findet auch im Netz statt.“ So hieß es zumindest in der Ankündigung zum Kongress – und das war keine leere Versprechung, denn tatsächlich gab es während des Kongresses für alle, die noch nicht mit der Microbloggingdienst Twitter vertraut sind, auf eigens dafür vorinstallierten Twitterstationen die Möglichkeit, Kurzmeldungen abzusetzen und auf einer Twitterwall die Kommunikation im Netz zu beobachten. Und natürlich kommentierten viele anwesende Twitter-Benutzerinnen und Benutzer mit ihren Smartphones und Notebooks in Echtzeit die einzelnen Vorträge genauso wie die Zuschauer des Live-Streams und Leser des Twitter-Feeds.

Um nach dem Kongress eine inhaltliche Auswertung zu ermöglichen wurden sämtliche Tweets automatisiert archiviert. Für eine genaue Analyse fehlt die Zeit, aber folgende Zahlen geben zumindest einen kleinen Einblick in die Intensivität der Diskussion.

Am ersten Kongresstag wurden zwischen 8:30 und 18:30 und 663 Tweets geschrieben (mit Hashtag #kupoge), also ungefähr ein Tweet pro Minute. Insgesamt beteiligten sich aktiv 103 Twitter-User an der Diskussion rund um die Vorträge des Kongresses und schrieben mindestens einen Tweet. Am meisten Beiträge kamen von dem Twitter-User @Weiszklee mit insgesamt 63 Tweets, gefolgt von @amprekord (59 Tweets) und @kulturmanager (46 Tweets). Im Durchschnitt wurden etwa sechs Tweets pro User geschrieben, wobei 51 und damit fast genau die Hälfte der an der Diskussion teilnehmenden User nur einen einzigen Tweet gesendet haben.

Die folgende Grafik zeigt nun noch an, wie viele Tweets während der einzelnen Vorträge gesendet wurden. Eine genaue Analyse der Tweets (z. B. mit inhaltlicher Zuordnung zu bestimmten Vorträgen) ist auf die Schnelle leider nicht möglich, aber es gibt zumindest einen ersten Eindruck, welche Panels im Twitter-Universum am meisten kommentiert wurden:

Simon A. Frank

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Parallelwelten

Guten Morgen Berlin, guten Morgen Bibliothekartag, guten Morgen KUPOGE-Bundeskongress,

diese Woche lebe ich in Parallelwelten. Nein, ich meine damit nicht World of Warcraft oder Second Life oder Facebook. Ich meine den Bibliothekartag und den KUPOGE-Bundeskongress.

Gleich bin ich wieder auf dem Bibliothekartag – so wie gestern und vorgestern. Die erste Amtshandlung: die XBOX360 und die Wii anschalten. Vier Stationen, die Teil der Gamingroadshow für Kultur- und Bildungsinstitutionen sind. Und dann: Spielen! Diskutieren! Nachdenken! Was bedeutet die digitale Welt für die Kultur- und Wissensvermittlung?

In den letzten Jahren habe ich eine große Zahl an Kultur- und Bildungsinstitutionen in die digitale Zukunft begleitet. Eines ist mir klar geworden: In der digitalen Welt geht es nicht um das Verständnis von Technologien und deren Funktionalitäten sondern um die damit verbundene Kultur. Kulturinstitutionen müssen sich überlegen, ob sie mit dieser Kultur kompatibel sind.

Und die Menschen? Was ist mit den Menschen? In den letzten Jahren war ich auf vielen Konferenzen und Tagungen. Eines haben sie meistens gemein: wir reden dort über die Menschen/Kunden/Nutzer/Besucher – aber nicht mit Ihnen. Deshalb bin ich so gerne auf der gamescom.

Ok, da kommen dann bis zu 250.000 Menschen aber….

Gestern werde ich kritisiert: Die Bibliothekare würden hier zu viel Spielen und zu wenig über Spiele diskutieren. Bravo! Nehmt den Kulturinstitutionen ihre Spielzeuge weg. Die sollen doch bitte ernsthaft bleiben. Ich antworte dann immer: “Keine Angst, die wollen nur spielen, und wer spielt, ist bzw. bleibt Mensch”

Es liegt noch ein langer Weg vor uns. Die Kultur- und Bildungsinstitutionen sind in der Breite noch lange nicht in der digitalen Welt angekommen. Sie sind wie schlafende Riesen.

Die digitale Welt ist für die Kulturinstitutionen immer noch ein Exot – die Kulturinstitutionen sind immer noch Exoten in der digitalen Welt.

Meine Hoffnung für die Zukunft: Irgendwann nennen wir das Internet und Co. nicht mehr “Neue Medien” und irgendwann sind Kultur- und Bildungsinstitutionen die Ersten, die neue Technologien- und Kulturformen ausprobieren. Die Kulturinstitution als Innovationsträger…

Gebt Kulturinstitutionen Raum zum Ausprobieren! Gebt Ihnen Raum für Fehler! Ich lese immer wieder, Kulturinstitutionen sollten vor allem Freiräume für Kunst und Kultur schaffen – wer gibt den Institutionen diese Freiräume um neue bzw. bessere Institutionen zu schaffen?

Ich muss jetzt los – ich habe gerade gehört, dass sich ein paar Bibliothekare um die Controller der Wii streiten. “Herr Dr. Meier! Lassen Sie nun auch mal Frau Dr. König spielen”

Beste Grüße

Christoph Deeg

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